Näher
als du denkst

jüdisch     beziehungsweise     christlich

Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise –jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Auch und gerade im Blick auf die Feste wird die Verwurzelung des Christentums im Judentum deutlich. Mit dem Stichwort „beziehungsweise“ soll der Blick auf die aktuell gelebte jüdische Praxis in ihrer vielfältigen Ausprägung gelenkt werden. Die Kampagne ist ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Wir sind uns bewusst: Die Betonung der Nähe ist nur unter Wahrung der Würde der Differenz möglich. Deshalb halten wir es für unverzichtbar, die Bezugnahmen auf das Judentum in christlichen Kontexten auch kritisch zu hinterfragen, Vereinnahmungstendenzen zu erkennen und zu vermeiden.

Aktuell finden wir uns dabei in einer gesellschaftlichen Situation wieder, die durch ein Erstarken von Antisemitismus und weiterer Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geprägt ist. Übergriffe gegen jüdische Bürger*innen, Hetze und Verschwörungsmythen in den Sozialen Medien nehmen weiterhin zu.

In einer respektvollen Bezugnahme auf das Judentum, die zur positiven Auseinandersetzung mit der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland anregt, will die Kampagne auch einen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus leisten.


Grußworte zur Kampagne

Zum Ansehen der Grußworte klicken Sie einfach auf das jeweilige Porträt.

Dr. Heinrich Bedford-Strom

Ratsvorsitzender der EKD

Dr. Ulrich Neymeyr

Bischof von Erfurt und Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der DBK

Dr. Josef Schuster

Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland


Namensgebung beziehungsweise Namenstag

Namensgebung im Judentum: Ein Zeichen des Bundes. Für Jungen die Beschneidung am 8. Tag, für Mädchen ein Fest. Namenstag vor allem im katholischen Christentum: Das Fest des Namenspatrons. Mit der Taufe nach einem heiligen Menschen benannt sein. Der Bund Gottes verbindet die Generationen. Kind Gottes sein!


Eine jüdische Stimme

Das Judentum misst Namen eine große Bedeutung zu, denn sie sind Ausdruck der Zugehörigkeit eines Individuums zu Familien- und Gemeindetraditionen. Außerdem hegen Eltern die Hoffnung, dass sie ihrem Kind mit einem wohlklingenden, beziehungsreichen Namen ein positives Vorzeichen auf seinen Lebensweg mitgeben. Die Namensgebung ist bei Jungen Teil der Beschneidungszeremonie am 8. Lebenstag. Bei Mädchen wird der Name nach der Geburt im Rahmen einer Torahlesung in der Synagoge verkündet. In den letzten Jahrzehnten ist es üblich geworden, auch für Mädchen ein eigenes Ritual der Namensgebung zu feiern. Viele Kinder haben daneben noch einen „bürgerlichen“ Namen, der ihr offizieller Rufname ist.

Bei der Entscheidung für einen Namen werden häufig je nach regionalem Brauch verstorbene oder lebende Familienmitglieder geehrt, die auf diese Weise symbolisch das Kind durch das Leben begleiten. Daneben stehen eine Fülle biblischer Namen zur Auswahl und auch Namen, die Bezüge zum jüdischen Jahreskreis, zur Natur und zu erwünschten Charaktereigenschaften aufweisen. Die Eltern sind Teil des Namens, denn man wird stets als „X, Sohn/Tochter von Y und Z“ aufgerufen.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Eine christliche Stimme

„Jetzt aber – so spricht der HERR, der dich erschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!“ (Jes 43,1)

Bei der Taufe wird der Ruf, den der Ewige an alle Menschen richtet, als Ruf-Name in die Taufformel eingebunden. Darin drückt sich die Gewissheit aus, dass wir als Menschen vom HERRN bei unserem Namen, der für uns als unverwechselbares Subjekt steht, angesprochen und „ausgelöst“, also erlöst sind.

Wir sind dadurch nicht nur mit dem Schöpfer verbunden, sondern Er auch mit uns. Schließlich wird jedes Kind „auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ getauft. Der dreifaltige Gott, der uns im Mutterleib gewoben hat, der unser Innerstes kennt (Ps 139), Er ruft uns beim Namen und wir dürfen Ihn beim Namen rufen. Das Christentum teilt die Überzeugung des Judentums: Der HERR kennt uns und liebt uns. Er schenkt uns einen Namen, damit wir uns zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln, aber auch auf seinen Ruf antworten und im Zweifel zu Ihm umkehren.

– Fabian Freiseis